Digitale Bauzukunft in der Praxis: Sieben Bachelorarbeiten des Studiengangs Digital Construction 2026
An der Hochschule Luzern wurden dieses Jahr 20 Bachelorarbeiten im Studiengang Digital Construction abgeschlossen und an der Ausstellung vom 1. Juli 2026 präsentiert. Martin Loučka, Geschäftsführer der ioLabs AG, unterrichtet an der HSLU als Lehrbeauftragter das Modul Scripting und durfte dieses Jahr zusätzlich als Industrie-Experte sieben der Arbeiten begleiten und bewerten – einen Teil der Studierenden kannte er also bereits aus dem Unterricht. Was die Arbeiten verbindet: Sie alle nehmen sich realer, praxisnaher Fragestellungen der Bau- und Immobilienwirtschaft an – und lösen sie mit den neuesten digitalen Methoden. Nachfolgend ein kurzer Überblick über die einzelnen Themen.
Pascal Brotschi – Verknüpfung von Informationsanforderungen und externen Datenquellen mit IFC-Modellen in einem openBIM-Prozess
Industriepartner: AFRY Schweiz AG
Pascal hat einen funktionsfähigen Prototyp entwickelt, der IFC-Modelle, IDS-basierte Informationserfassung und -prüfung sowie die dynamische Verknüpfung externer Datenquellen zusammenführt. Über eine relationale Datenbank mit einer Virtual-Knowledge-Graph-Schicht können Gebäudedaten über kommunizierende Systeme hinweg interoperabel genutzt werden – ein konkreter Schritt in Richtung durchgängiger Datenflüsse über den gesamten Lebenszyklus.
Raphael Gremaud – Nutzungsbezogene Energie- und Leistungskennwerte aus Betriebsdaten
Industriepartner: Amstein + Walthert Bern AG
Raphael ist der Frage nachgegangen, wie sich aus realen Betriebsdaten von HLKS-Anlagen belastbare, nutzungs- bzw. raumbezogene Energie- und Leistungskennwerte ableiten lassen. Er hat eine Methodik zur Plausibilisierung und Qualitätsbewertung der Betriebsdaten entwickelt, diese mit BIM-/IFC-Modellen verknüpft und mittels Machine Learning (Quantilregression) planungsrelevante Auslegungswerte bestimmt – und damit die Rückkopplung zwischen Betrieb und Planung geschlossen.
Dominic Hohenfeld – Regelbasierte Automatisierung von Volumenstudien in der frühen Projektentwicklung
Industriepartner: Amenti AG
Dominic hat die Erstellung von Volumen- und Massenstudien in der frühen Projektentwicklung automatisiert. Sein hybrider Ansatz kombiniert parametrisch-deterministische Regeln mit datengetriebenen Elementen. Der Prototyp bewertet Grundstücke anhand harter und weicher Faktoren, generiert und rankt Varianten und wurde an zehn Parzellen in sieben Kantonen validiert – inklusive automatisch erzeugter Auswertungsdokumente.
Juri Jerg – Digitale Prozessintegration einer hybriden Timber-Earth-Slab-Fertigung
Industriepartner: Technische Universität München
Juri hat eine schema-getriebene, komponentenunabhängige Pipeline für die digitale Prozessintegration und Automatisierung einer hybriden Holz-Lehm-Decke entwickelt. Besonders stark: Er konnte die Übertragbarkeit seines Ansatzes empirisch belegen, indem er die gleiche Steuerungslogik ohne Anpassung auf eine zweite Anwendungsdomäne (Fassadenpaneele) übertrug – ein echter Beitrag zur Generalisierbarkeit robotischer Fertigungsprozesse.
Jan Kaufmann – Vom Digital Twin zum Digital-Twin-Environment
Industriepartner: beyondBIM
Jan hat konzipiert und prototypisch umgesetzt, wie eine zentrale Datenplattform heterogene Zielsysteme systemübergreifend verwalten kann. Sein Denkansatz verschiebt den Fokus vom «Single Point of Truth» hin zu einer orchestrierenden «Digital-Twin-Environment»-Schicht. Der funktionsfähige Prototyp verbindet über eine node-basierte Any-to-Any-Transformation unterschiedliche Systeme und diskutiert offen Governance, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit.
Anna-Lena Lehner – Interoperables Lifecycle Data Management auf Basis von openBIM-Standards
Industriepartner: Bauen digital Schweiz
Anna-Lena hat untersucht, wie sich Gebäudedaten über den Lebenszyklus hinweg auf Basis von openBIM-Standards (u. a. IDS, bSDD, CDE) interoperabel verwalten lassen. In einem Proof of Concept hat sie einen durchgängigen Workflow über mehrere Werkzeuge hinweg durchgespielt und dabei konkrete Lücken quantifiziert – etwa den Anteil an Objekten und Merkmalen ohne semantische Verknüpfung – als Grundlage, um Medienbrüche gezielt zu reduzieren.
Jonas Weiss – Automatisierte Generierung von HLKS-Platzbedarf aus BIM-Volumenmodellen
Industriepartner: Penzel Valier AG
Jonas hat mit seinem Prototyp «Nexara MEP» einen Weg gezeigt, den Platzbedarf für HLKS-Trassen bereits in frühen Planungsphasen automatisiert aus BIM-Volumenmodellen abzuleiten. Über Pathfinding-Verfahren (A*) werden Trassenvolumen abstrahiert, Schächte aggregiert und als IFC exportiert. Die Ergebnisse hat er mehrschichtig validiert – unter anderem mit einem manuellen Vergleich und Rückmeldungen aus der Praxis.
Ein breites Kompetenzspektrum
Was diese sieben Arbeiten so eindrücklich macht, ist ihre Bandbreite: von BIM-Software über generatives Design und theoretische Forschung bis zur Prozessoptimierung. Gemeinsam zeigen sie das Spektrum, das sich Studierende an der HSLU aneignen – und das sie befähigt, komplexe, praxisnahe Ingenieurprobleme mit modernsten Werkzeugen zu lösen. Genau diese Kompetenzen werden ihnen den Erfolg auf dem Markt ermöglichen. Wir gratulieren allen Absolventinnen und Absolventen herzlich.